Viele haben mir davon abgeraten, selbst die Ärzte rieten mir nicht am Halbmarathon teilzunehmen. Bei den Schmerzen die mich seit Mittwoch plagten, habe ich schon selbst fast die Hoffnung aufgegeben. Der Arztbesuch am Freitagmorgen brachte mir dann doch wieder Hoffnung. Denn nachdem mein Arzt mir nochmal den Rücken ein wenig durchgedrückt hat, schwanden die Schmerzen im Laufe des Tages immer mehr ab.
Am Samstag waren die Schmerzen dann so gut wie weg und ich wusste das das reichen dürfte um starten zu können. Die Freude waren natürlich riesengroß, schließlich wollte ich beim Halbmarathon-Debüt meines Schatzis dabei sein und es war der Lauf worauf ich mich am meisten gefreut habe, einen Lauf in meiner alten Heimat.
Ein paar Stunden vor dem Start stand noch ein Vortrag von Joey Kelly, dem Sportfreak schlechthin an, den durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Schon sehr imposant was er schon alles gemacht hat und auch der Weg der ihm zu allen dem geführt hat. Ein abschließendes Foto mit ihm durfte natürlich auch nicht fehlen.

Auf der Marathon-Messe habe ich mich dann auch noch zu hinschlagen lassen, für mein Rücken ein Kinesio-Tape anzulegen. Kann ja nicht schaden.

Um kurz vor 17 Uhr standen wir dann an der Startlinie. Das Wetter war alles andere als perfekt für uns, 26° C zeigte das Thermometer noch an, gefühlter Wert in der Sonne natürlich noch um einiges höher.
Mein Vorsatz war dieses Mal die 2 Stunden-Marke zu knacken, also versuchen eine Pace von ca. 5:40 min/km zu laufen. Sehr mutig für die Bedingungen die herrschten. Erst die Rückenprobleme vorher und dann auch noch das Wetter und von dem Training die letzten Wochen mal ganz zu schweigen…
Punkt 17 Uhr ging es dann los. Die ersten 200 Meter bin ich noch mit meinem Schatzi zusammen gelaufen. Das Tempo war mir dann allerdings doch schon zu langsam, denn die Straßen waren eng und das Feld bewegte sich sehr langsam vorwärts. Also hab ich mich von ihr gelöst und versucht irgendwie am Feld vorbei zu huschen.
So konnte ich den ersten Kilometer auch noch mit 5:46 Min. abschließen. Danach ging es aber in einem Waldstück und mein Forerunner zeigte nur noch utopische Werte an. Die Pace verlangsamte sich immer mehr und war zwischenzeitlich sogar bei 8:30 min/km. Darauf konnte ich mich also nicht mehr verlassen. Bei Kilometer 7 versuchte ich dann manuell die Rundenzeiten zu stoppen, was natürlich besondere Aufmerksamkeit wegen der Kilometermarkierung erforderte.
Ich hängte mich dann an ein Duo welches ungefähr meine angestrebte Pace lief. Trotz vieler Gehpausen an den Getränkeständen, konnte ich diese auch immer wieder abfangen. Doch leider trennte sich dann auch dieses Duo irgendwann und ich musste versuchen meinen eigenen Rhythmus zu finden, was mir an diesem Tag wahrlich nicht leicht fiel.
Nach genau einer Stunde hatte ich die Hälfte des Rennens geschafft und ab da war mir klar, das das heute nicht reichen würde. Es war einfach zu heiß und das war ich aus meinen bisherigen Wettkämpfen so gar nicht gewohnt. Ich fühlte mich körperlich schon fertig und nochmal die gleiche Distanz in mindestens der selben Zeit? Niemals! Also hieß es heute einfach nur durchkommen, egal wie und in welcher Zeit. Das Shirt für diesen Lauf will ich im Training schließlich mit Würde tragen und nicht sagen müssen, ich war dabei, musste aber aufgeben weil ich nicht mehr konnte.
Also habe ich gegeben was noch ging, jede Verpflegungsstelle gehend mitgenommen und mir die ein oder andere Dusche am Wegesrand abgeholt.
2 Kilometer vor dem Ziel kam dann endlich wieder neuer Mut auf. So riss ich mich zusammen und versuchte nochmal alles aus mir rauszuholen was noch ging und auf den letzten 300 Metern zog ich dann sogar nochmal zum Sprint.
Mit 2:06:16 Stunden bin ich dann im Ziel angekommen, weit an meiner ersten Halbmarathonzeit von Hannover entfernt und noch weiter von der Sub2 Stunden-Marke, aber das war mir in diesem Moment und auch jetzt völlig egal. “Du hast es geschafft und du kannst deine Medaille in Empfang nehmen, trotz der Umstände in letzter Zeit, hast du es gepackt!!”, waren meine Gedanken.
Im Ziel schnell was zu trinken geholt und dann habe ich dort direkt auf mein Schatzi gewartet. Sie kam schließlich mit einem breitem Grinsen mit 2:23:59 Std. im Ziel an. Doch sie war alles andere als zufrieden, hatte sie doch eine Zeit von unter 2:20 Std. angestrebt. Aber ihr innerer Schweinehund war heute wohl stärker als sie, es fehlte ihr an diesem Tage einfach an Power. Ich bin allerdings verdammt stolz auf sie, es war ihr erster Halbmarathon und das bei so einem heißen Wetter und ich finde das diese Zeit jetzt auch nicht so schlecht zu bewerten ist.
Deshalb habe ich ihr schon versprochen mich bei unserem nächsten Halbmarathon ganz in ihren Diensten zu stellen um ihr als Motivator zu Seite zu stehen oder besser laufen.
Netto-Zeit: 2:06:16 Stunden
Brutto-Zeit: 2:07:18 Stunden
43. Platz von gesamt 54 Teilnehmern in der Altersklasse M20
436. Platz von gesamt 590 männlichen Teilnehmern
501. Platz von insgesamt 774 Teilnehmern

